Ich nehme das Leben nicht allzu ernst. Würde ich das tun, wohin würde das führen? Ja, ich lese Zeitung. Ich interessiere mich auch für das, was auf der Welt – in meiner kleinen und in der großen – geschieht. Aber ich nehme mir nicht mehr alles zu Herzen. Obwohl… Es ist eigentlich eigenartig, denn manchmal nehm ich mir Dinge zu Herzen, von denen mir schleierhaft ist, warum sie mir so zu Herzen gehen. Ich meine, wenn ein Eisbär ertrinkt, weil er kein festes Eis mehr findet. Das Foto des verendeten Tieres rührt mich zu Tränen. Die tausenden Menschen, die an den Folgen der Klimaveränderung ihre Nahrungsgrundlage verlieren … Dürren, Überschwemmungen, andere Wetterextreme, die rühren mich bei weitem nicht so an. Als ob sie mich nichts angingen. Kann ich nicht ändern. Ich bin der „Kopf-in-den-Sand-Stecker“, die Träumerin. Ginge es nach mir, sähe die Welt ganz anders aus. Wir würden teilen, keine Kriege mehr und kein Hunger und so weiter. Das Interessante ist, dass das jeder sagt. Wenn es nach jedem Einzelnen ginge, sähe die Welt so anders aus. Aber ich glaube das den anderen nicht. Ich weiß nicht mal, ob ich es mir selbst glaube.
Ich nehme mich selber nicht allzu ernst. Würde ich das tun, wohin würde das führen? Ja, ich interessiere mich schon für meine Ideen und Ziele und Träume. Aber ich bin nicht so naiv, dass ich glaube, das alles realisieren zu können oder gar zu leben. Ich meine, ich habe ja gelernt, wo meine Grenzen sind. Ich habe Noten bekommen und mich gut angepasst. Ich kenne die Grenzen des Möglichen. Depressiv bin ich nicht. Gottseidank. Ich habe mich dafür entschieden, einfach nicht alles allzu ernst zu nehmen.
Schau, ich nehme dich auch nicht so ernst. Würde ich das tun, wohin würde das führen? Ja, ich höre dir zu. Ich gebe dir Ratschläge. Ich lächle mit dir und manchmal weine ich auch mit dir. Aber eigentlich ist das, was mich am meisten an dir berührt, was mich zum Weinen bringen könnte, wenn ich es ernst nähme, dass du mich und die Welt nicht allzu ernst nimmst. Schade. Wie könnte diese Welt sein, wenn wir uns selbst, einander und die Welt ernster nähmen.
Halt! Nicht nachdenken! War nicht ernst gemeint!